Unterricht: Taijiquan

Unterrichts-Inhalte

Qigong

Zum Teil bereiten wir Körper und Geist mit einfachen Qigong-Übungen auf das Lernen der Taiji-Prinzipien vor.

Zhanzhuang  …  Stehende Säule

Für  Taijiquan-Praktiker ist die Stehübung das Werkzeug schlechthin, um die Körperhaltung so zu strukturieren, dass alle Gelenke geöffnet sind, die Organe gelöst sind und die Lebensenergie Qi frei im Körper zirkulieren kann. Mit der Stehenden Säule arbeiten wir unsere Körperstruktur und Energievernetzung heraus, wobei das Untere Dantian (Unterbauch) das elementare Zentrum und Ursprung aller Energie ist. Das Prinzip der Stehenden Säule übertragen wir in alle Bewegungsformen.

Chansigong 1+2 …  Seidenübungen, ein- u. zweihändige

Mit der Seidenübung lernen wir, Aufmerksamkeit und Bewegung so sanft, aber bestimmt und koordiniert miteinander zu verbinden, daß der Körper frei von Blockaden ist und die Energie frei fließen kann. Die Struktur der Stehenden Säule wird mit der Vorstellung des korrekten Energieflusses verbunden und im Laufe der Zeit in der Realität des eigenen Körpers verwirklicht. Wir lernen, unsere Energie nicht nur zu wecken und anzureichern, sondern auch zu kontrollieren. Denn nur so können wir sie uns zu Nutze machen, für unsere Gesundheit, zur Selbstverteidigung oder wofür auch immer.

Shi Jiu Shi, Laojia Yilu, usw. …  19-er Handform, Erste Form „Alter Rahmen“, usw.

In dieser und allen weiteren Formen lernen wir, die in der Stehenden Säule und den Seidenübungen vermittelten Prinzipien in komplexeren Bewegungsabläufen umzusetzen.

Die 19-er Form ist eine sehr einfach und kurz gehaltene Form. Sie ist relativ schnell zu lernen und sehr gut zum Einstieg oder für Übende, die nicht zu sehr in die Tiefe gehen wollen, geeignet.

Die Laojia Yilu ist die erste und älteste traditionelle Handform. Aus ihr sind alle anderen bekannten Taiji-Stile hervorgegangen. Sie besteht aus 75 hauptsächlich langsamen und harmonisch fließenden Bewegungen, die nur selten von Fajin-Bewegungen (Explosionstechniken) unterbrochen werden.

Die dritte Form, Pao Chui (Kanonenfaust), widmet sich ganz besonders den Fajin-(Explosions)-Bewegungen.

Zum Taiji-Gesamtkomplex gehören nicht nur langsame und weiche (Yin), sondern auch schnelle und harte (Yang) Bewegungen. So kann ein wirklich ganzheitliches Üben für den Körper und für den Geist stattfinden. Taiji will die Harmonie zwischen Yin und Yang entwickeln, bei zuviel Yin das Yang fördern und bei zuviel Yang das Yin.

Später werden auch noch die Formen z.B. des „Neuen Rahmens“ gelehrt, in denen noch intensiver die inneren energetischen Spiral-Bewegungen geübt werden.

Tuishou  …  Schiebende Hände (Routinen, frei, Anwendungen)

Das Training der „schiebenden Hände“ ähnelt, zumindest innerhalb der Routinen, dem Üben der Formen. Es ist erst mal eine Übung des Qigong. Beim Qigong lernen wir, die eigene Energie wahrzunehmen. Im Tuishou lernen wir, die Energie des Anderen ebenfalls wahrzunehmen und zu verstehen. So lernt man, die Absichten eines Gegenübers zu erkennen, bevor sich dieser selbst darüber bewusst wird. Wir lernen, Kraft intuitiv aufzunehmen, umzuleiten und die eigene Kraft hinzuzugeben.

Waffenformen

Waffenformen werden frühestens nach der 19-er Form relevant, wahrscheinlich aber erst nach der ersten Langform Laojia Yilu, je nach Struktur und Lern-Potential der Gruppe.

Grundlagen

Die theoretischen Grundlagen der Taiji-Prinzipien begleiten uns über alle Bereiche und durch die gesamte Zeit des Lernens hindurch. Die dargestellten Themen sind samt und sonders Möglichkeiten, keine Pflicht-Programme! Die Intensität und Tiefe seines Übens bestimmt jeder Taiji-Trainierende für sich selbst. Der zeitliche Rahmen ist abhängig von der Struktur der Gruppe/Gruppen.

Ziel

Erstes Ziel in der Taiji-Praxis ist zumindest für mich die Verbesserung der Gesundheit dadurch, daß wir lernen, unseren Körper immer subtiler wahrzunehmen und unsere Sensibilität für uns selbst zu erhöhen. Damit lernen wir, im Äußeren Haltungs- und Bewegungsfehler zu erkennen, welche auf Dauer zu energetischen Blockaden und dadurch zu Krankheiten führen. Im Inneren bringen wir physische und psychische Disbalancen wieder in ein Gleichgewicht und können dadurch ein hohes Maß an Ausgeglichenheit, Gelassenheit und natürlicher Achtsamkeit erlangen, was für jeden Menschen im Alltag sehr hilfreich ist.

Das regelmäßige Taiji-Training entwickelt ein starkes positives Körpergefühl und unser Körper kann sich einem natürlichen Optimalzustand Schritt für Schritt annähern.

Der Kampfkunst- und Selbstverteidigungs-Aspekt kann sich parallel dazu im Verlauf unserer Übungspraxis entwickeln, auch ohne daß wir ein besonderes Augenmerk darauf  legen, zum einen durch die Stärkung unseres Selbst und zum anderen durch das Überprüfen unseres Übungsfortschritts anhand der Partnerübungen.

Maren Scheible